Kann ein lakunärer Infarkt komplett unbemerkt passieren?

  • Hallo,

    Bei meiner Mutter wurde während einer geriatrischen Reha (unter anderem) folgende Diagnose gestellt :

    Ausgeprägte periventrikuläre Mikroangiopathie sowie alte lakunäre Infarktresiduen im Stammganglienbereich bds

    Ist es möglich , dass man so einen Infarkt nicht bemerkt ?

    Und kann es sein, dass sich dann nach ein paar Jahren doch Symptome bemerkbar machen, die man dann nicht zuordnen kann, weil der Infarkt nicht bemerkt wurde ?

    Ich danke Ihnen für die Unterstützung

  • Hallo Grobi,

    es ist richtig, dass lakunäre Infarkte lange Zeit unbemerkt bleiben können. Ob und inwieweit solche tiefen Infarkte klinisch durch Symptome in Erscheinung treten, hängt sehr von der jeweils betroffenen Hirnregion, der Größe und dem zeitlichen Verlauf der Ausdehnung ab.

    Infarktresiduen beschreiben Restzustände eines Infarktgeschehens durch den Untergang von Zellen und Organgewebe. Dies ist Folge einer kritischen Durchblutungsstörung mit lokaler Unterversorgung von Sauerstoff und Energieträgern.

    Infarkte können wie im Fall von lakunären Infarkten auch von Mikroangiopathien ausgehen. Damit sind Schäden der kleinsten Gefäße an Endorganen gemeint, die sich meist schleichend durch arteriosklerotische Veränderungen im Laufe des Lebens entwickeln. Auch genetische Bedingungen, erbliche Veranlagungen, sind möglich, wobei diese eher früher auffällig werden.

    Gerade im höheren Lebensalter werden solche Veränderungen des Gehirngewebes - Residuen von Mikroangiopathien und stattgehabten asymptomatischen Stammganglieninfarkten - nicht selten als Nebenbefund in der Bildgebung entdeckt. Sie sind oft „Zufallsbefund“, wenn eine MRT-Untersuchung des Kopfes zur neurologischen Abklärung aus anderer Ursache erfolgt.

    Im Gegensatz dazu kommt es bei einem ischämischen Schlaganfall typischerweise plötzlich („schlagartig“) zu Symptomen durch Verschlüsse größerer Gefäße. Bei einem akuten Stammganglienfarkt ist es häufig der Verschluss der mittleren Gehirnschlagader durch ein Blutgerinnsel. Es handelt sich um einen Notfall!

    Mikroangiopathien können Jahre später erst Symptome hervorrufen und unter anderem die Entwicklung von kognitiven Einschränkungen und einer vaskulären Demenz begünstigen. Das bedeutet, das Nachlassen der Hirnleistung wird beschleunigt.

    Zur Prävention und Nachsorge steht die gesundheitsfördernde Einflussnahme durch Vorbeugung und Reduktion von kardiovaskulären Risikofaktoren im Fokus. Dazu finden Sie in diesem Forum Empfehlungen in einem der letzten Beiträge. Und hier eine aktuelle Studie.

    Es lohnt sich auch im hohen Alter, moderates Bewegungstraining und geistige Aktivitäten zu fördern, soweit es individuell möglich ist.


    Herzliche Grüße und die besten Wünsche

    Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

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