Muskelverhärtung oder Spastik

  • Was ist das ?

    Am 04.07.2023 hatte ich, im Herz-Zentrum von Bad Krozingen, nach einer Mitralklappen-OP einen Schlaganfall und war auf der rechten Seite völlig gelähmt. Ich kam auf eine Station zur Behandlung und man schickte mir 2 Ergo- bzw. Physiotherapeuten, die jeden Tag etwa 20- 30 Minuten verschiedene Übungen mit mir machten, danach war ich allein.
    Statt einem "Galgen" am Bett hatte man ein Gummiband am Fußende des Bettes fest gemacht, mit dem ich mich in die Sitzposition ziehen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch mit den Lähmungen beschäftigt.
    Ende Juli wurde ich dann in die BDH-Klinik nach Elzach verlegt und seither habe ich ein Problem mit den Muskeln.
    Die Sympthome sind wie bei Spastik, allerdings ohne ruckartige und schmerzhafte Krämpfe, auch wirken typische Medikamente nicht, wie Methocarbamol und Tolperison-HCI dura, ich vermute Muskelverhärtung.
    Seit 03.10.23 bin ich zu Hause und versuche seither alltägliche Hausarbeiten zu erledigen, was mir auch recht gut gelingt, auch kleinere Repararturen.
    Kann es sein, daß durch das Gummiband in Bad Krozingen und durch die nicht Behandlung in der Reha in Elzach, ich tatsächlich eine Muskelversteifung habe, weil alle Probleme sich am rechten Arm und rechter Schulter befinden, oder fällt Ihnen eine andere Ursache dazu ein ?
    :?:

  • hi roland, naja es gibt halt sowohl die schlaffe-, als auch die spastische lähmung.

    bei mir auch die spastische- hab oft unkontrollierte krämpfe in arm und bein, verbunden mit starkenschmerzen. tolperison

    hilft bei mir unbefriedigend und hab in der verzweiflung auch paracetamol-erfolglos- probiert. bei training und muskeldehnen,

    kommen die schmerzen dann stärker und länger- aber ich trainiere trotzdem- will ja wieder laufen!!!


    gruß vom hemi spast


    klaus

  • Hallo roland_valgoi,

    es ist verständlich, dass Sie wissen möchten, warum diese Symptome weiterhin bestehen und dass Ihnen die anhaltenden Beschwerden möglicherweise Sorgen bereiten. Allgemein ist zu sagen, dass Muskelverhärtungen oder erhöhte Muskelspannungen nach einem Schlaganfall durch verschiedene Faktoren verursacht oder begünstigt werden können. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass das Gummiband am Fußende des Bettes direkt zu einer anhaltenden Muskelverhärtung oder -versteifung geführt hat.

    Eine funktionelle Untersuchung müsste eigentlich Aufschluss darüber geben, um welche Art von neuromuskulärem Problem es sich handelt. Wir können in diesem Forum keine individuelle Beurteilung und medizinische Beratung auf der Grundlage der wenigen Informationen durchführen.

    Grundsätzlich kann auch eine Spastizität vorliegen, wenn verordnete Medikamente wie Methocarbamol und Tolperison-HCI nicht (ausreichend) wirken. Sie könnten bei Ihrem behandelnden Arzt nachfragen, ob eine effektive Einstellung im Dosiszielbereich abhängig von Ihrer Verträglichkeit ausgeschöpft wurde oder ob andere Behandlungsansätze, z. B. auch Botox, lokal ausprobiert werden könnten, wenn eine klinische Indikation besteht.

    Andere mögliche Ursachen für solche Symptome können eine Muskelversteifung (Kontrakturen) durch Immobilisierung sein, begünstigt durch mangelnde Bewegung oder unzureichende physiotherapeutische Behandlungen. Zudem können sich durch die Folgen eines Schlaganfalls oder Verhaltensgewohnheiten ungünstige, nicht ergonomische Bewegungs- und Belastungsmuster etablieren, die zu Muskelverspannungen führen. Welche Kompensationen Betroffene oft unbewusst anwenden, zeigt dieser Artikel mit Abbildungen und Tipps für physiotherapeutisches Training.

    Häufig sind intensivere und kontinuierliche Therapien, insbesondere neurologische Physiotherapie und physikalische Maßnahmen, zur Lockerung der betroffenen Muskeln und zur Verbesserung der Bewegungsabläufe hilfreich, um den Spannungszustand zu regulieren und Schmerzen zu lindern. Bestimmte Techniken wie Massagen, Dehnungen, Wärmebehandlungen und spezielle Übungen sind auch in Eigenregie zu Hause durchführbar.

    Wenn Sie sich durch die Beschwerden im Alltag beeinträchtigt fühlen, empfehle ich Ihnen daher, mit Ihrem Hausarzt oder Neurologen zu sprechen.


    Herzliche Grüße und alles Gute

    Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

  • Häufig sind intensivere und kontinuierliche Therapien, insbesondere neurologische Physiotherapie und physikalische Maßnahmen, zur Lockerung der betroffenen Muskeln und zur Verbesserung der Bewegungsabläufe hilfreich, um den Spannungszustand zu regulieren und Schmerzen zu lindern. Bestimmte Techniken wie Massagen, Dehnungen, Wärmebehandlungen und spezielle Übungen sind auch in Eigenregie zu Hause durchführbar.

    Kann hier auch in Nova Fon helfen? Mein rechter Arm übernimmt aktuell sehr viel und ich merke es zunehmend... früher war ich Linkshänder und habe beide arme Intensiv eingesetzt. Jetzt gibt es eine starke Tendenz zu "rechts" übernimmt, da kaum ataktisch....


    LG Sabine Koch

    Liebe Grüße,
    Sabine 2.0 :)

    PS: Das Leben ist schön, von einfach war nicht die Rede.

  • Hallo Frau Koch,

    ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Selbstanwendung von tiefen, sanften Vibrationsimpulsen die myofasziale Tonusregulation und Schmerzlinderung unterstützt, wenn man den Spannungszustand lokalisieren kann und die Stellen gut erreicht.

    Inwieweit das NOVAFON in Ihrem Fall tatsächlich „wirksam“ ist, kann ich nicht beurteilen. Wenn Sie es ohnehin schon haben, könnten Sie es mal auszuprobieren gemäß Anleitung und Hinweisen.

    Was bei Schlaganfallfolgen generell mehr Achtsamkeit bedarf, ist die schnellere Ermüdung der Muskulatur der nicht betroffenen Seite bzw. der Extremität, die nun mehr beansprucht wird als vorher. Diese muss zudem teilweise unter ergonomisch ungünstigeren Bedingungen die Muskelarbeit der gelähmten Seite kompensieren. Das kann zusätzlich zu Lasten der Erholungsfähigkeit gehen und zu einer schnelleren Erschöpfung und Neigung zu Verkrampfungen bzw. Verspannungen führen. Es wird mehr Energie benötigt als bereitgestellt werden kann.

    Linderung kann oft durch die Vermeidung von lang andauernden einseitigen Belastungen und durch den Wechsel von Tätigkeiten in kurzen Intervallen mit häufigeren kurzen Pausen dazwischen erreicht werden. Wichtig ist, den eigenen Rhythmus zu finden und den Rahmen im Alltag anzupassen, in dem man gut und möglichst beschwerdearm aktiv sein kann. Vorgaben von außen helfen da weniger.

    Wenn es schwerfällig ist, kann ggf. auch noch mal eine physiotherapeutische oder ergotherapeutische Behandlungsserie sinnvoll sein, um Probleme und Lösungsansätze zu reflektieren, Bewegungsmuster zu korrigieren oder Anleitung für Übungen, zur Selbsthilfe im Alltag und zur Selbstbehandlung zu erhalten. Das ist frühzeitig angesetzt auch präventiv.

  • ...vielen lieben dank für die ausführliche Antwort.. hilft mir weiter.. :)

    Liebe Grüße,
    Sabine 2.0 :)

    PS: Das Leben ist schön, von einfach war nicht die Rede.

  • Vielen Dank für die Rückmeldung, es hilft mir mindestens neue Gdankenwege zu suchen. :thumbup::)

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