Arbeit auf dem Bau / Montage

  • Hallo!
    Mein Mann hatte innerhalb einer Woche "unzählige" kleine Schlaganfälle (laut Entlassbrief des Krankenhauses). Glück im Unglück: er hatte nur leichte Sprechprobleme und selbst die sind inzwischen weg. Er ist zur Zeit zur stationären Reha und fühlt sich gut.
    Er hat seit über 30 Jahren auf dem Bau gearbeitet, bei einer großen Firma und immer bundesweit auf Montage: Sonntagnachts losfahren um pünktlich zu Arbeitsbeginn da zu sein, die Woche über in Unterkünften, freitagsnachmittags nach der Arbeit nach Hause. Nun sagt die Ärztin: Wahrscheinlich war dieser Stress der Auslöser, Montage und Bau sind nun nichts mehr für Sie!
    Und nun? Wenn er arbeitsfähig aus der Reha entlassen wird - Soll er wieder losfahren?
    Gibt es besondere Hilfen für "Leute vom Bau"?

  • hallo sipla, bin als bauleitender, architekt zwar sozusagen auch vom bau. aber vor allem betroffener. hatte ich vorher auch tierisch stress und sog. kleine schläge. die sind absolut ernst zu nehmen und können vorboten sein für schwere schläge. hatte ich auch, haben es aber leider nicht ernst genommen. und heute nach 5 jahren schlaganfall-ich war und bin quasi tot!!! und unser gemeinsames schönes leben war aprupt zu ende! hätten wir das nur ernst genommen-was wäre uns nur alles erspart geblieben!


    macht bitte nicht den selben fehler!!!


    gruß vom artur

  • Hallo Sipla,

    die mehrfachen, "unzähligen kleinen Schlaganfälle", die Ihr Mann erlitten hat, deuten medizinisch auf eine Serie von lakunären Infarkten hin. Das ist eine Bezeichnung für Hirninfarkte, die durch den Verschluss kleiner arterieller Gefäße entstehen, welche oberflächlich unter der Hirnrinde liegen. Meistens ist dies durch länger bestehende Veränderungen der kleinen Gefäße (Mikroangiopathie) bedingt, die vor allem durch Bluthochdruck und Diabetes mellitus begünstigt werden.

    Diese kleinen Schlaganfälle können zwar "stumm" bleiben, wenn sie wenig Hirngewebe schädigen, also zu keinen oder nur geringen unmittelbaren Symptomen führen. Sie sind jedoch unbedingt ernst zu nehmen, da sie auf ein erhöhtes Risiko für zukünftige und möglicherweise schwerwiegendere Schlaganfälle hinweisen. So oder so ist daher eine Ursachen- und Risikoabklärung zur individuellen Nachsorge und Sekundärprophylaxe erforderlich. Dies umfasst unter anderem eine stabile Blutdruckeinstellung, die Kontrolle der Blutzucker- und Cholesterinwerte, Stressreduktion und weitere individuelle Maßnahmen.

    Dass Ihr Mann sich bereits gut erholen konnte und keine schwerwiegenden Folgen wie ausgeprägte Sprachstörungen hat, ist eine gute Nachricht. Sicher wird er von der aktuellen Reha profitieren können, die seine Genesung und Regenerationsprozesse im Gehirn fördert.

    Die Frage, ob und wann und wie er wieder in seinen bisherigen Beruf auf dem Bau zurückkehren kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das bezieht sich dabei weniger auf den Beruf selbst ("Leute auf dem Bau"), sondern auf die konkreten Anforderungen der spezifischen Tätigkeiten, einschließlich des Arbeitswegs. Neben der individuellen Gesundheit, funktionellen Einschränkungen und Möglichkeiten spielen die betrieblichen Gegebenheiten eine Rolle und, wie er z. B. ambulante Therapietermine wahrnehmen kann.

    Medizinische Bedenken können auch bei Beschwerdefreiheit bestehen, aufgrund der Risikofaktoren wie z. B. unzureichend eingestellter Blutdruck und dessen Aufrechterhaltung durch Stress. Wenn Ihr Mann anstrebt, weiter berufstätig zu sein und er als mittelfristig arbeitsfähig entlassen werden würde, wäre es unter anderem ratsam, zu prüfen, ob und wie die Arbeitsgestaltung beeinflusst werden kann. Zum Beispiel Prüfung einer Karenzzeit unter Einstellung und Kontrolle der Blutdruckwerte, Abklärung der Möglichkeit einer Belastungserprobung über eine stufenweise Wiedereingliederung oder alternativer Einsatzmöglichkeiten. Dafür gibt es das Betriebliche Eingliederungsmanagement - Erklärungen und Beispiele bei REHADAT.

    Bei einer Tätigkeit mit Montage und wechselnden Einsatzorten ist ein stufenweiser Wiedereinstieg oft herausfordernd in der Umsetzung, aber nicht immer unmöglich. Es kommt tatsächlich auf den Einzelfall und die Firma sowie deren Auftragslage an. Es ist auch wichtig, mit dem Arbeitgeber zu sprechen, um zu klären, welche Unterstützung und flexible Anpassungen möglich sind, um einen erfolgreichen Wiedereinstieg zu ermöglichen.

    Sie schreiben von einer großen Firma. In großen Unternehmen gibt es in der Regel intern zuständige Ansprechpartner für das Betriebliche Gesundheits- und Eingliederungsmanagement. Diese sollten mit einbezogen werden. Auch eine Abstimmung zwischen der Rehabilitations- und Arbeitsmedizin kann sinnvoll sein (durch Abstimmung von Seiten der behandelnden Ärzte mit dem Betriebsarzt).

    Fazit:

    Die Entscheidung über eine Rückkehr zur Arbeit ist sorgfältig abzuwägen. In diesem Artikel über den beruflichen Wiedereinstieg nach einem Schlaganfall beleuchte ich einige Aspekte, die abgeklärt und beachtet werden sollten. Vielleicht finden Sie und Ihr Mann einige Anregungen, die Sie mit dem Behandlungsteam besprechen können oder für eine spätere Beratung nutzen wollen.


    Ihnen und Ihrem Mann alles Gute
    und herzliche Grüße

    Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

    P.S.: Mit den "Vorboten", die Artur in seiner Antwort angesprochen hat, sind sogenannte transitorische ischämische Attacken gemeint, die ebenfalls in jedem Fall ernst zu nehmen und wie ein Schlaganfall als Notfall zu behandeln sind. Sie gehen auch mit einem erhöhten Risiko für ein Rezidiv einher.

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