Spasmen nach Schlaganfall in den kleinen Zehen

  • Hallo Herr Abresch,

    Botulinumtoxin kann bei beeinträchtigenden motorischen Störungen und Schmerzen durch Spasmen auch nach einem länger zurückliegenden Schlaganfall eine erfolgsversprechende Option sein. Es wäre durchaus einen Therapieversuch wert, wenn andere Behandlungsformen wie Physiotherapie, Medikamente und Akupunktur bisher keine signifikanten Verbesserungen gezeigt haben.

    Botox bewirkt kurz gesagt eine Entspannung der überaktiven Muskulatur durch das Blockieren von Nervensignalen, die für die Muskelkontraktion verantwortlich sind und kann somit zur Linderung von Spasmen beitragen. Für detaillierte Informationen über die Botulinumtoxin-Therapie in der Schlaganfallbehandlung empfehle ich die Lektüre folgender Artikel auf der Seite schlaganfallbegleitung.de:

    - Ein Video-Interview, das verschiedene Aspekte und Erfahrungen mit dieser Therapieform beleuchtet.
    - Ein Grundlagen-Artikel über die Botulinumtoxin-Therapie nach Schlaganfall, Behandlungsmöglichkeiten, Wirksamkeit und Anwendungsgebiete.


    Für den individuellen Einzelfall sind aus unserer Sicht drei Aspekte wichtig:

    1. Die Erfolgswahrscheinlichkeit der Therapie hängt davon ab, dass es jemand macht, der viel Erfahrung mit Botulinumtoxin in der Neurologie hat.

    2. Vorab ist eine medizinische Differenzialdiagnostik erforderlich, um andere Ursachen für die Spasmen bzw. ähnlich erscheinende Symptome abzuklären, auch wenn sie nur in den Zehen auftreten. Dazu zählen beispielsweise periphere Durchblutungsstörungen und Gefäßerkrankungen, weil die eine andere Behandlungsstrategie bedürfen. Auch sind individuelle Kontraindikation für die Anwendung von Botulinumtoxin auszuschließen.

    3. Direkt im Anschluss sollte eine Serie intensiver Physiotherapie erfolgen, um die Effekte der Wirkungsentfaltung auszunutzen. Zu beachten ist, dass die Wirkung von Botulinumtoxin zeitlich begrenzt ist. Sie kann einige Monate anhalten und müsste wiederholt werden. Die Spastik ist nicht heilbar. Erfahrungen aus der Praxis sprechen dafür, dass die Betroffenen besonders profitieren, wenn die Injektion in ärztlicher und physiotherapeutischer Abstimmung erfolgt.


    Wir hoffen, dass Ihnen diese Orientierung hilft, eine informierte Entscheidung über den möglichen Einsatz von Botulinumtoxin in Ihrem speziellen Fall zu treffen und möglicherweise noch offene Fragen und Optionen mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin zu besprechen.

    Viele Grüße und alles Gute

    Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

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