Ständige Benommenheit und Betrunkenheitsgefühl nach schwerem Schlaganfall

  • Guten Tag,


    ich habe im September 2022 einen schweren Schlagafall erlitten, an dessen Folgen ich bis heute leide.

    Betroffen ist meine rechte Gehirnhälfte, dementsprechend ist meine linke Körperhälfte durch Gesichtsfeldausfall und Hemiparese beeinträchtigt.

    Neben den funktionellen Beeinträchtigungen macht mir hauptsächlich das ständige Gefühl der Benommenheit und Betrunkenheit zu schaffen, was die Wahrnehmung meiner Umgebung sehr erschwert. Beim Gehen habe ich zudem mit Schwindel zu kämpfen.


    Eine mehrwöchige TMS Therapie habe ich kürzlich absolviert die aber leider zu keinen Verbesserungen geführt hat.

    Welche Therapien, Medikamente oder sonstige Möglichkeiten auch neben der Schulmedizin gibt es noch um diese Auswirkungen abzumildern? Was hat anderen Betroffenen mit ähnlichen Auswirkungen geholfen?

    Bin für alle Hinweise dankbar


    Liebe Grüße

    Hanne

  • Hallo mein Name ist Gabriele, ich grüße euch. Ich hatte auch einen Schlaganfall jetzt Anfang Januar. Ich hatte ein Blutgerinnsel im Kopf dadurch wohl ausgelöst. Auch ich kenne das Gefühl von Benommenheit und Schwindel, als wäre ich ständig betrunken. Außerdem diese ständige Müdigkeit. Mir hilft dann, wenn ich viel Flüssigkeit zu mir nehme und mich ausruhen. Manchmal esse ich mir einfach eine Scheibe Brot mit Butter. Das habe ich früher nicht so gemacht. Aber manchmal hilft mir das. Ich habe keine Lähmung ich habe Muskelschwäche. Also immer wenn ich mich so fühle, versuche ich mir sehr viel Ruhe zu gönnen auch mal zu schlafen . vielleicht hilft mehr Ruhe. Wenn ich das nicht mache, habe ich diese Benommenheit, die wird danach so schlimm, dass ich Kopfschmerzen bekomme.

    Vielleicht mal versuchen, solche Ruhepausen einzulegen . ein bisschen was essen und etwas trinken und ganz für sich sein. Mir hilft das. Ich wünsche euch erst mal einen schönen Tag liebe Grüße, Gabriele B

  • Hallo Hanne, hallo an Mitlesende,

    da das Gefühl von Benommenheit oder Betrunkenheit und Schwindel nach einem Schlaganfall sehr belastende Symptome sind, die häufig Anlass zur Ratsuche sind, habe ich hier noch mal wichtige Prinzipien zusammengetragen, die auch geteilt werden dürfen. Daher brauchte meine Antwort länger.

    1) Wesentlich ist die Erkenntnis, dass diese Symptome unterschiedliche Ursachen haben können. Daher ist es wichtig, zunächst zu versuchen, die jeweilige Herkunft abzuklären. Denn danach richten sich die medizinischen therapeutischen Ansätze und welche Selbstmanagement-Strategien zu empfehlen sind. Kompetenzen im Umgang mit den Einschränkungen (Coping) sind sehr bedeutsam, damit sie einem nicht über den Kopf wachsen.

    2) Relevant ist, Benommenheit von Schwindel abzugrenzen. In vielen Fällen liegt eine erklärbare und oft auch behandelbare Ursache vor. Oder es lassen sich in einer ausführlichen Anamnese bestimmte Muster und Auslöser des Auftretens feststellen. Diese Faktoren spielen auch dann eine Rolle, wenn keine spezifische Ursache für die Benommenheit und den Schwindel gefunden wird.

    3) Eine präzise Differenzierung dessen, was wann in welcher Form und unter welchen Umständen auftritt und zur Verstärkung solcher Symptome und anderer Beschwerden führen kann, ist daher essenziell. Leider bleibt in den ärztlichen Sprechstunden oft wenig Zeit, um genauer nachzufragen. Deshalb kann es hilfreich sein, sich mit diesem Wissen selbst noch mal bewusst auf die Suche zu begeben und zu beobachten, was im Alltag auffällt.

    Konkret bedeutet das, systematisch mögliche körperliche Ursachen abzuklären und die Suche nach funktionellen Auslösern einzubeziehen, über die Betroffene nur Auskunft geben können, wenn sie sich dessen bewusst sind und im Idealfall auch etwas dokumentiert haben (z. B. Tagebuch, Apps).

    Medizinisch geht man üblicherweise stufenweise vor, angefangen bei dem, was plausibel erscheint, relevante Auswirkungen hat und häufig ist, bis hin zu dem, was auch möglich wäre und an begründeten Spezialuntersuchungen ergänzend sinnvoll sein könnte.

    Da wir im Forum keine individuelle medizinische Beratung leisten können und dürfen, würde ich allgemein zunächst auf folgende Prioritäten setzen:

    Medizinische Untersuchung:
    Zuerst sollte möglichst eine Diagnose gestellt werden. Eine gründliche neurologische Anamnese und Untersuchung versucht, die spezifische Art des Schwindels und mögliche neurologische Ursachen der Benommenheit zu identifizieren. Neben unspezifischen Folgen nach einem Schlaganfall können auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und funktionelle Störungen in Betracht kommen. Deswegen kann eine weiterführend internistisch-kardiologische Untersuchung indiziert sein, mit EKG, Puls-, Blutdruck-, ggf. Blutflussmessungen und Echokardiographie.

    Zudem kann Schwindel weitere Ursachen haben, aus dem HNO-Bereich, Einnahme von Medikamenten etc., was Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt besprechen können: Dieser Artikel auf der Hauptseite schlaganfallbegleitung.de geht auf verschiedene Arten von Schwindel, die Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten ein. Zudem habe ich einen ergänzenden Blog-Artikel zu anhaltendem Schwindel mit Anleitungen und Tipps zum Selbstmanagement geschrieben.

    Hydratation und Lebensstil:
    Der Einfluss einer unzureichenden Flüssigkeitszufuhr wird häufig unterschätzt. Auch ein Mangel an Nährstoffen, Spurenelementen und Vitaminen können zu Schwindel und Benommenheit beitragen. Eine Anpassung der Trinkmenge auf 2 - 3 Liter Wasser pro Tag und der Kochsalzzufuhr, abhängig von Körpergewicht und unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen wie der Niere und des Herzens, kann oft schon viel bewirken.

    Generell ist auch eine Ausgewogenheit zwischen täglicher körperlicher und geistiger Aktivität, Stressbelastungen sowie Ruhephasen und Erholung sehr wichtig. Der Bedarf verändert sich nach einer Schädigung des Gehirns durch Verletzungen oder einen Schlaganfall mitunter erheblich, auch was die Schlafstruktur und Biorhythmik angeht. Manchmal braucht es hier professionelle Unterstützung und individuelle Beratung zur Lebensgestaltung.

    Medikamentöse Behandlung:
    Basierend auf den Ergebnissen der medizinischen Untersuchungen könnten Medikamente verordnet werden, deren Wirksamkeit in Studien belegt ist oder zumindest aus der wiederholten klinischen Erfahrung in der Behandlung eine Besserung unterstützen. In den meisten Fällen ist die Medikation allerdings nur ein "Puzzle-Teil" in der Kombination verschiedener, auch funktioneller Ansätze. Bislang ist mir zumindest kein Medikament bekannt, das einen so durchschlagenden Erfolg gebracht hat, dass es als alleinige Therapie ausreicht.

    Cinnarizin/Dimenhydrinat (Arlevert) wird bei verschiedenen Schwindelzuständen eingesetzt, kann jedoch wie andere zentral wirksamen Medikamente z. B. auch Müdigkeit verstärken. Bei Benommenheit durch Kreislaufprobleme können kreislaufunterstützende Medikamente wie Midodrin in Betracht gezogen werden. Bei Schwindel, der vermutlich vom Innenohr herrührt, können zum Beispiel Antivertiginosa wie Betahistin zum Einsatz kommen.

    Physiotherapie oder Ergotherapie mit Schwindel- und Alltagstraining:
    Hängt der Schwindel mit motorischen Einschränkungen, einer vestibulären Dysfunktion und möglicherweise auch mit einer Angstkomponente durch die Verunsicherung aus Angst vor Ohnmacht oder Stürzen zusammen: Dann können darauf spezialisierte Physio- und Ergotherapie, sensomotorisch-propriozeptives und vestibuläres Training hilfreich sein. Ziel ist es vor allem, das Gleichgewicht, Koordinations- und Kompensationsfähigkeiten zu verbessern und die Symptome zu reduzieren. Wichtig ist, die Gangsicherheit auch auf unebenen Untergründen zu trainieren und wenn Ablenkungen dazu kommen, Belastungen anzupassen und ggf. Hilfsmittel abzuklären.

    Psychologische und psychotherapeutische Unterstützung:
    Ärztliche oder psychologische Beratung und Therapie kann sinnvoll sein, wenn Ängste oder stressbedingte Faktoren eine Rolle spielen. Dies gilt vor allem, wenn die Verunsicherung durch die Symptome sehr groß ist. Eine solche Belastung kann die Verschlimmerung der Symptome begünstigen und deren Aufrechterhaltung fördern. Grundsätzlich können sowohl organische als auch psychische und soziale Faktoren zusammenspielen, sodass wie oben erwähnt auch die Umstände und Wechselwirkungen mit dem Umfeld zu berücksichtigen sind, unter denen Beschwerden auftreten.


    Jeder Schritt ist individuell abgestimmt anzuwenden und als Anregung gedacht, sie mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten zu besprechen.
    Für den Austausch über Wissen und Erfahrungen von anderen Betroffenen können Sie auch die Rubrik "Schlaganfall allgemein" nutzen und über "Suche" andere Beiträge finden, wo über Benommenheit und Schwindel berichtet wurde.

    Alles Gute für Sie und herzliche Grüße

    Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

  • Ein Hallo in die Runde, auch ich hatte einen SA (Weihnachten24) , in Folge dessen ärgere ich mich (zum Glück nur) mit einem eingeschränkten Sichtfeld und Schwindel herum. Eine schnell erfolgte Reha brachte leider keine Minderung. Zumindest habe ich hier gefunden, um welchen Schwindel es sich handelt - (Benommenheitsschwindel: ... Sie fühlen sich „merkwürdig“, „wie betrunken“, „wie auf Watte oder Wolken gehend“, „wie in einem Nebel“ oder „blöd im Kopf“.)

    Was ich für mich festgestellt habe: Der Schwindel ist um so schwächer, wenn man sich auf einen entfernten Punkt konzentriert (hilft beim laufen und beim Sport).

    Hat jemand einen Tipp für aktive Maßnahmen zur Behebung der Sichtfeldeinschränkung?

    Grüße, Torsten

  • hi torsten,

    das mit dem benommenen schwindel, hab ich im forum schon öfter gelesen. hab jetzt spontan nur leider keinen namen-tut mir leid.

    die fehlende warnehmung kenne ich als sog. neglect bei mir selbst- bin aber mit hemiparese links auch seit 5 jahren, halbseitig gelähmt.

    mache tägl. am pc übungen, die das fehlende gesichtsfeld verbessern sollen. mittlerweile hat es sich verbessert, so dass ich im laufe der zeit hoffnungsvoll in die weitere zukunft blicke. der mist dauert einfach echt ewig,aber training hilft auf jeden fall. es ist leider wie bei der tour de france, geschenke werden keine gemacht.


    gruß artur

  • Hallo Artur,


    Grüße zurück und Danke für die Infos. Welche PC Übungen findest du ok? Ich habe mir die Anwendung "fresh minder" gekauft - war ne Empfehlung aus der REHA. Grüße, Torsten

  • hi torsten, erstmal danke für die rückmeldung. ich hab den freshminder auch gekauft. war ne empfehlung eines psychotherapheuten, den mir die reha-psychologin empfolen hatte. leider war sowohl die therapheutin der reha, als auch ihre empfehlung so gar keine hilfe für mich. habe dann dem therapheuten aufgekündigt-aber den freshminder trotzdem gekauft ( damit übe und trainiere ich tägl. die perlenfische nunmehr seit jahren) undhabe mir selber einen psychologen für eine gesprächstherapie gesucht. aber nach 2 jahren mit 1x wöchentlich, auch das beendet. eigentlich kann ich heute nach 5 jahren schlaganfall noch nicht so recht verstehen, was mit mir passiert ist.


    gruß vom traurigen


    artur


    p.s. im jan war turnusmässige gesichtsfeld untersuchung beim augenarzt mit leichter besserung-also bringen die fische event doch was!


    gruß und bis zum nä. mal

  • Hallo, bei mir ist es nun zwar erst etwas über zwei Monate her, aber dennoch bin ich ungeduldig und will Besserung erfahren. Die Reha selber hat (wegen Therapeutenmangel?) kaum etwas dazu gemacht und die Reha Nachsorge konnte ich wegen Personalproblemen auch noch nicht starten. Naja, mal schauen, was die Zeit bringt. Grüße, Torsten

  • hi thorsten, ohjeh du armer,

    aber zum glück ist ja corona nun vorbei. hoffentlich klappt´s dann bald mit deinen therapien.


    bleib tapfer ,hab kraft und bleib drann. bei mir hat das ewig gedauert. vor allem willst du ja schnell weiterkommen, kenn ich gut


    gruß


    artur

  • Vielen Dank für eure Reaktionen und Informationen, insbesondere die ausführliche Zusammenfassung von Frau Dr. Kelle-Herfurth. Ich wünsche euch Allen gute Erfolge bei der Verbesserungen der Einschränkungen! Der Devise lautet durchhalten und weiter kämpfen.


    Hat jemand Erfahrungen (oder kennt jemanden) mit der SAVIR Therapie aus Magdeburg. Die wird auch bei Sehschwächen und Gesichtsfeldeinschränkungen angewendet.


    LG

    Hanne

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