Erreichen und Halten der Zielwerte LDL-Cholesterin

  • Hallo liebe Forumsexpertinnen und -experten,

    jetzt habe ich dann doch mal eine Frage, nämlich zu den LDL-Cholesterinwerten.

    Vorgeschichte:

    Ich hab wohl FH, also eine familiäre Hypercholesterinämie (für die anderen mitlesenden) und hatte im Dezember 2021 mit 49 Jahren meine Schlaganfälle.

    Meine Blutwerte waren zu dem Zeitpunkt:

    ▪ Chol. gesamt: 311 (mg/dl)

    ▪ HDL: 56.9

    ▪ LDL: 216

    ▪ Quotient CHOL/HDL: 5.5

    Nun wurde mir damals das übliche empfohlen. ACC 100 mg/d und Statinsenker, damals noch Astorvastatin 60 mg - mittlerweile Rosuvastatin 20 mg, da ich die besser vertrage.

    Mittlerweile sind meine Blutwerte:

    ▪ Chol. gesamt: 129 (mg/dl)

    ▪ HDL: 40.9

    ▪ LDL: 76

    ▪ Quotient CHOL/HDL: 3.2

    ▪ Non-HDL-Chol und Triglyceride sind auch wieder im Normbereich.

    Mein BMI ist 22, Körperfett 29,2 %, Viszerales Fett: 6

    Ich rauche nicht, trinke keinen Alkohol.

    Alles supi soweit (glaub ich).

    Meine Ernährung ist seit 1 Jahr wieder normal, da ich von mediterraner Diät mein Gewicht überhaupt nicht halten konnte (ich bekam Untergewicht) und nach Rücksprache beim Nachsorge-Termin diese 'bei mir' auch nicht als zwingend erforderlich angesehen wurde. Bei zu viel gesättigten Fettsäuren sag ich trotzdem schnell 'Nö Danke' (hab mir da etwas Basiswissen zugelegt und lese gerne Nährwertangaben ^^), selbst meine 1-2 Becher Kaffee sind nun handgebrüht statt French Press. Auch ansonsten schränke mich bei Essen & Trinken lieber 1x zu viel ein.

    Jetzt endlich die eigentliche Frage:

    Mir wurde damals ein LDL-Wert von < 70 empfohlen.

    In meinen 8 Bluttests seitdem habe ich es jedoch nur 1x schaffen können, eine 69 zu erreichen.

    Ich frage mich schon länger, ob es nicht besser wäre, auf Rosuvastatin 40 mg (statt jetzt 20 mg) zu erhöhen, damit mein LDL-Wert wirklich dauerhaft unter 70 mg/dl kommt.

    Denn ich einer Studie (hab die Quelle leider nicht mehr) hatte ich auch mal gelesen, ein LDL-Wert von 50 wäre nach Schlaganfällen sogar noch erstrebenswerter.

    Auch müsste ich dann vielleicht nicht mehr vor jedem leckeren Keks wegspringen und insgesamt weniger über meine Ernährung nachdenken.

    Andererseits bange ich ein kleinwenig um meine Hormonwerte, was ich jedoch vermutlich gut substituieren könnte.

    Was würden Sie sagen?

    Kann eine Erhöhung des Statinsenkers sinnvoll sein?

    Oder ist es gerade so an der Grenze, dass ich es lieber bleiben lassen sollte?

    Danke für das Lesen und die Hilfe
    majka

    Charlie Brown: „Eines Tages werden wir sterben, Snoopy!"
    Snoopy: „Ja, aber an allen anderen Tagen werden wir leben!"

    Edited 3 times, last by majka (November 23, 2023 at 10:41 AM).

  • Hallo majka,

    zunächst einmal ist es beeindruckend und anerkennenswert, wie konsequent Sie Ihre Gesundheit im Blick haben und die notwendigen Maßnahmen umsetzen. Das ist alles andere als selbstverständlich und nicht immer leicht zu handhaben. Sie sind definitiv auf einem guten Weg und es ist auch wichtig, dass Sie bei all den konsequenten Aktivitäten zur Sekundärprävention die Freude am Leben und Genuss für Ihr Wohlbefinden beibehalten.

    Nun zur medizinischen Seite und zu Ihren Fragen, soweit es sich für uns noch allgemein beantworten lässt - eine individuelle fachärztliche Beratung und das Aussprechen von therapeutischen Empfehlungen ist uns im Rahmen des Forums nicht möglich:

    Den persönlichen Zielwert im individuellen Kontext ermitteln

    Bei Ihrer Vorgeschichte mit familiärer Hypercholesterinämie und dem erlebten Schlaganfall wird das individuelle kardiovaskuläre Risiko als "sehr hoch" eingestuft. Die aktuellen Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) und der European Atherosclerosis Society (EAS) empfehlen für Menschen mit einem solchen Risikoprofil ein LDL-Cholesterinziel von unter 70 mg/dl. Wie Sie richtig erwähnen, wird in einigen Fällen, insbesondere nach einem Schlaganfall, sogar ein Zielwert von unter 55 mg/dl nahegelegt, um das Risiko weiterer kardiovaskulärer Ereignisse zu minimieren.

    In Ihrem speziellen Fall wurde vermutlich aus guten Gründen ein LDL-Zielwert von < 70 mg/dl empfohlen. Hier könnten Sie noch einmal näher nachfragen, was die Gründe dafür sind und ob diese Empfehlung weiterhin gilt. Sie haben dann im Verlauf bereits bemerkenswerte Verbesserungen im Zuge der Umstellung auf Rosuvastatin erzielt und eine Dosis gefunden, die Sie offenbar gut vertragen. Das ist erst mal eine kluge Strategie.

    Medikamentöse Anpassungen abwägen

    Eine Erhöhung der Statindosis könnte in Betracht gezogen werden, wenn die LDL-Ziele mit der aktuellen Dosis von 20 mg nicht erreicht werden.

    Allerdings sind höhere Dosen von Rosuvastatin (40 mg täglich) mit einem erhöhten Risiko für Nebenwirkungen verbunden und es werden auch erhöhte Melderaten im Vergleich zu niedrigeren Dosierungen berichtet. Daher sollte dies nur nach sorgfältiger Abwägung und in jedem Fall unter regelmäßiger medizinischer Überwachung und Laborkontrollen erfolgen.

    Neben der Therapieoption einer höheren Statin-Dosierung gibt es die Möglichkeit der Kombination mit anderen lipidsenkenden Medikamenten wie Ezetimib, das die Cholesterinaufnahme im Darm hemmt, oder PCSK9-Inhibitoren, die den LDL-Cholesterinspiegel durch andere Mechanismen verringern. Betroffene mit einem sehr hohen Risiko können durchaus von einer intensivierten lipidsenkenden Therapie profitieren, um das Risiko für weitere kardiovaskuläre Ereignisse zu minimieren, wenn allein mit einem hochpotenten Statin unter Zieldosis der Therapieerfolg nicht hinreichend ist. PCSK9-Inhibitoren gehören zu einer neueren Wirkstoffklasse, die zudem als Alternative bei Statin-Unverträglichkeit zum Einsatz kommen können.


    Dies bleibt mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin zu besprechen. Dazu könnten Sie Fragen stellen wie:

    • Wäre eine höhere Dosis Rosuvastatin oder die Ergänzung meiner Therapie mit Ezetimib oder einem PCSK9-Inhibitor sinnvoll?
    • Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen könnten bei diesen Medikamenten oder der Kombination auftreten?
    • Wie würde sich die Einnahme eines dieser Medikamente auf meine Behandlung auswirken?
    • Wie häufig wären Kontrolluntersuchungen notwendig?


    Nicht-medikamentöse Maßnahmen ausschöpfen

    Neben der medikamentösen Sekundärprophylaxe wird empfohlen, Möglichkeiten auszuschöpfen, Cholesterinwerte auf natürlichem Wege zu senken. Der Fokus liegt hier auf einer ausgewogenen Ernährung mit einigen speziellen Umstellungen, regelmäßiger körperlicher Aktivität, Schlaf- und Stressregulation - auch wenn eine Anpassung des Lebensstils eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie nicht ersetzen kann.

    Eine mediterrane Diät ist unter anderem reich an Pflanzenstoffen, Fasern und ungesättigten Fetten und kann sich positiv auf Ihr Cholesterinprofil auswirken. Sie berichten zwar, dass Sie darunter Untergewicht entwickelt haben und diese Ernährungsform nicht als dauerhaft umsetzbar empfinden. Dennoch könnte es sinnvoll sein, hierzu noch einmal konkret - in professioneller ernährungstherapeutischer Beratung - über die genauen Umstände und Auslöser zu sprechen und alternative Ansätze oder Herangehensweisen zu prüfen, die sich für Sie und Ihre Alltagsanforderungen eignen würden.

    Für weitere Infos und Anregungen könnte folgender Artikel hilfreich sein: Cholesterin senken. Sie finden über die Suchfunktion noch weitere Artikel.

    Fazit

    Entscheidungen über die Behandlung und Sekundärprophylaxe zur Vorbeugung eines weiteren Schlaganfalls sollten gemeinsam im individuellen Kontext getroffen, im Verlauf reflektiert und angepasst werden. Bei Ihnen geht es um sorgfältiges Abwägen des Nutzens der LDL-Senkung gegenüber Risiken von Medikamentennebenwirkungen und unter Berücksichtigung Ihres persönlichen Risikoprofils, Ihrer Lebenssituation und Lebensweise.

    Letztlich zählt nicht nur ein einzelner Laborwert und das, was medizinisch wünschenswert wäre, sondern das Gesamtbild mit Gesundheitszielen, die realistisch erreichbar und durch langfristige Maßnahmen umsetzbar sind und vom Bauchgefühl zu Ihrer Lebensvorstellung passen.

    Besprechen Sie Ihre spezifische Situation und Optionen, um Ihr LDL-Cholesterin optimal einzustellen, am besten mit Ihrem Hausarzt oder einem Internisten mit Spezialisierung im Bereich kardiovaskuläre Prävention und Ernährungsmedizin.


    Viele Grüße und weiterhin alles Gute

    Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

  • Dankeschön.

    Das bringt mich in meinen Überlegungen zu diesem Thema durchaus ein Stück weiter.

    majka

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