Depression nach Schlaganfall

  • Liebes Expertenteam,

    kann ein Schlaganfall aus rein physischen Gründen eine Depression auslösen?

    Und sind Symptome wie Kopfdruck & die Wahrnehmung, dass es im Kopf rieselt Symptome einer Depression oder Symptome die grundsätzlich mit einem Schlaganfall einhergehen?

  • Hallo Koralle,


    eine Depression, die nach einem Schlaganfall auftritt, kann sowohl durch physische als auch durch psychische Gründe bedingt sein oder ausgelöst werden. Beides fällt unter die Fachbezeichnung Post Stroke Depression (PSD).

    Physische Ursachen einer PSD kommen in Betracht, wenn es durch den Schlaganfall zu einer dauerhaften Schädigung einer bestimmten Hirnregion kommt. Das kann unter anderem zu emotionalen Veränderungen, Einschränkungen im Gefühlsleben und der Affektsteuerung führen. Chemische und neurologische Veränderungsprozesse können sich auf die Stimmung, Persönlichkeit und das Verhalten auswirken und eine Depression begünstigen.

    Psychische, sowohl endogene (innere) als auch exogene (äußere) Faktoren, und psychosoziale Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung einer PSD:

    Der Schlaganfall selbst wird als intensive Erfahrung oft einschneidend, manchmal auch als Trauma erlebt. Auch die körperlichen, geistigen und sprachlichen Einschränkungen können eine enorme Belastung darstellen. Vor allem, wenn Betroffene nach anfänglichen Fortschritten in der Postakut-Behandlung und Rehabilitation zurück im Alltag mehr und mehr damit konfrontiert werden, was nicht mehr so funktioniert wie vorher. Diese Umstellungen, lernen zu müssen, mit den Folgen des Schlaganfalls zu leben, und die Sorge vor einem erneuten Schlaganfall können zusätzliche Ängste und Belastungen auslösen.

    Wechselwirkungen zwischen physischen und psychosozialen Faktoren sind zu beachten. In den meisten Fällen ist es wohl ein "multifaktorielles" Geschehen. Die körperlichen Veränderungen durch den Schlaganfall können das Selbstbild, Selbstwertgefühl und die Stimmung beeinflussen; umgekehrt können psychische Belastungen auch körperliche Symptome verstärken. Der Umgang der Menschen im persönlichen Umfeld und die wahrgenommene soziale und materielle Unterstützung können ebenfalls Auswirkungen auf die Entstehung und den Verlauf der PSD haben.

    Die typischen Anzeichen einer PSD sind eine anhaltend traurige Grundstimmung, Antriebshemmung, Grübeltendenzen und Denkhemmungen. Auch Schlafstörungen, Müdigkeit, kognitive Beeinträchtigungen, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit können auftreten. Die Symptome, die Sie schildern, könnten in beiden Fällen auftreten, sie bedürfen einer näheren Beschreibung und neurologisch-psychiatrische sowie ggf. eine neuropsychologische Untersuchung.

    Eine frühzeitige Diagnosestellung und differenzialdiagnostische Abklärung gegenüber einer Depression ist wichtig, für eine wirksame Therapie - umso besser ist die Prognose. Bei einer PSD können psychotherapeutische und/oder medikamentöse Behandlungen hilfreich sein, um die Krankheitsfolgen positiv zu verarbeiten und die Lebensqualität zu verbessern.

    Hier gibt es auch einen ausführlicheren Fachartikel dazu.


    Herzliche Grüße und alles Gute

    Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

    Edited once, last by Dr. Karin Kelle-Herfurth: Kleinere Ergänzung zu endogenen/exogenen Faktoren (August 12, 2023 at 2:20 PM).

  • hallo koralle und die übrigen zusammen,

    bin zwar kei arzt,aber habe als betroffener seit 5 jahren viel erfahrung. leider auch depressionen. ist doch aber klar,wenn man solch eine brutale kränkung wie den schlag mit lähmung erfahren muss. also da sind depressionen sicher das normalste, auch wenn mein bekannter, der die selben sympthome hat,behauptet,er hätte keine. ich jedenfalls massiv und ohne die hoffnung auf besserung,und die engste familie hätte ich bestimmt schon längst schluss gemacht.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!