Warum kommt der Schwindel erst 2 Monate nach dem Schlaganfall?

  • Nach dem Schlaganfall, sprich im Krankenhaus und auch auf Reha, war mir nicht schwindlig. Erst als ich vier Wochen zuhause war fing dieser Benommenheitsschwindel an. Lagerungs-und Drehschwindel wurden ausgeschlossen.

  • Hallo blacktiger,

    Schwindel ist ein häufiges Symptom nach einem Schlaganfall, das sich über die Zeit oft bessert. Viele Menschen haben aber auch noch Jahre nach einem Schlaganfall damit zu tun.

    Besonders häufig treten Schwindelzustände nach einem Schlaganfall im Bereich des Kleinhirns und Hirnstamms auf. Die genaue Ursache für das Auftreten lässt sich jedoch nicht immer ausmachen, es ist eher eine Wechselwirkung von mehreren Faktoren. Die Gründe können komplex und von Fall zu Fall unterschiedlich sein.

    Eine mögliche Erklärung für das verzögerte Auftreten von Schwindel nach einem Schlaganfall hängt mit den Umbauprozessen im Gehirn zusammen. Nach einem Schlaganfall kommt es zu Veränderungen im betroffenen Gehirngewebe, einschließlich Entzündungen, Schwellungen und Umbauprozessen durch die erlittene Schädigung von Strukturen. Diese Veränderungen können auch die Funktion der Gliazellen, die eine wichtige Rolle bei der Unterstützung und Reparatur des Gehirngewebes spielen, beeinflussen.

    Es ist wichtig, zu berücksichtigen, dass individuelle Unterschiede in Krankheitsverläufen und andere Faktoren eine Rolle spielen können, warum der Schwindel erst nach einigen Wochen auftritt. Zum Beispiel müssen auch mögliche Schwankungen in der Blutdruck-Einstellung nach einem solchen Ereignis bedacht werden.

    Häufig sind Schwindelzustände abhängig von der Belastung und sie nehmen in Situationen mit mehr körperlicher Aktivität oder bei starker Konzentration zu. Ebenso können psychologische und emotionale Faktoren wie Stress, Angst oder Depression nach dem Schlaganfall eine Rolle spielen und das Auftreten oder die Ausprägung von Schwindel und begleitenden Symptomen wie Kopfschmerzen beeinflussen.

    Um den Schwindel nach einem Schlaganfall zu erklären, eine mögliche Ursache zu diagnostizieren und zu behandeln, ist eine fachärztliche Untersuchung und Bewertung durch Neurologen oder/und andere Spezialisten für Schwindelerkrankungen empfehlenswert. Zusätzliche diagnostische Verfahren wie bildgebende Untersuchungen des Gehirns oder spezifische Funktionstests unter Provokation des Schwindels wie z. B. eine Lagerungsprobe können angezeigt sein. Offenbar wurde das bei Ihnen bereits gemacht und kein Hinweis auf einen Lagerungs- oder Drehschwindel gefunden.

    Die Behandlungsoptionen bei Schwindel nach einem Schlaganfall sind je nach individueller Situation unterschiedlich und meist ausgerichtet auf eine Symptomlinderung, Verarbeitung und Selbstmanagement der Krankheitsfolgen. Dies kann Maßnahmen wie Medikamente zur Kontrolle des Schwindels und vestibuläres Training mit physiotherapeutischen und ggf. ergotherapeutischen Übungsbehandlungen zur Verbesserung des Gleichgewichts umfassen. Bedeutsam ist immer auch Aufklärung, was bei Verschlimmerung und im Notfall unterwegs zu tun ist und Psychoedukation zum Erlernen von Bewältigungsstrategien, um den kompetenten Umgang mit Stress und Belastungen im Alltag zu regulieren. Eine konsequente Fortführung von ambulanten Maßnahmen der Rehabilitation und ein regelmäßiges Programm in Eigenverantwortung zu Hause sind entscheidend.

    Nachhaltige Lebensstil-Veränderungen, ausreichend und erholsamer Schlaf, eine gesundheitsförderliche Ernährungsweise sowie soziale Unterstützung im Umfeld, durch Angehörige, Freunde, Kollegen und Austausch in Selbsthilfegruppen können ebenfalls dazu beitragen, den Schwindel zu reduzieren und besser damit zu leben.

    Alles Gute für Sie und viele Grüße

    Dr. med. Karin Kelle-Herfurth

  • Die Prognose für den Schwindel ist leider nicht hinreichend zuverlässig einzuschätzen, wenn er nicht auf eine konkrete Ursache zurückzuführen ist, die man auf bestimmte Weise behandeln kann.

    Aus Erfahrung bilden sich Schwindelzustände bei den meisten Menschen im Laufe der Zeit zurück oder werden weniger. Bei anderen halten sie jedoch über Jahre an.

    Es ist verständlich, dass Sie nach Lösungen suchen und diese weiterverfolgen. Sie können schauen, was Sie an den genannten Maßnahmen noch für sich selbst ausprobieren oder fortführen wollen, wenn es verträglich ist.

    Ich möchte neben einer ggf. ärztlichen Vorstellung auch ermutigen, einmal mögliche belastende oder provozierende Faktoren näher zu betrachten (z. B. durch Veränderungen im sozialen Umfeld und Lebensstil-bezogene Aspekte), hier systematisch vorzugehen, mithilfe einer Tagebuch-Auswertung und bei hohem Leidensdruck symptomatisch zu behandeln.

    Bei langwierigen Symptomen ist es auch wichtig, selbstunterstützende Strategien zu erarbeiten. Entspannungs-, Meditations- und Achtsamkeitsübungen können helfen, mit dem, was Sie so stark beeinträchtigt, umzugehen und Ihre Fähigkeiten zur Selbststeuerung trotz Persistenz des Schwindels zu stärken. Die Praxis zeigt immer wieder, dass Betroffene davon profitieren, manche (unbewusste) Gewohnheiten zu verändern und anderes erst kompensieren lernen müssen, um veränderte Belastungsgrenzen und ihre eigenen Bedürfnisse im Alltag angemessen zu berücksichtigen, ohne sich zusätzlich Druck zu machen. Das sind Maßnahmen, wo auch professionelle psychologische Hilfe sinnvoll sein kann.

    Wenn die eigenen Versuche nicht weiterführen, ist es ratsam, fachärztliche und/oder therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

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