Schlaganfall nach fehlerhafter Anamnese und Diagnostik

  • Hallo zusammen,

    ich bin neu hier und frage mich ob ihr die Abläufe in der Klinik ähnlich wahrgenommen habt, oder ob es bei uns ein Einzelfall war.

    Warum ich hier bin? Meine Mutter (67) hatte zwei Schlaganfälle. Der zweite deutliche schwerere kam aufgrund von unglücklichen Umständen zustande, die ich euch versuche so gut es geht zu erklären. Die Klinik hat bereits Versäumnisse eingeräumt aber dazu später mehr.

    Freitag morgens hat meine Mutter mich angerufen und sehr schwierig verständlich Schlaganfall genuschelt. Ich habe auf der Stelle die 112 gewählt und bin losgedüst. Der Krankenwagen war noch vor mir dort und als ich ankam saß meine Mutter bereits im Wagen und wurde behandelt.

    Sie hat die Symptome geschildert und es war auch deutlich sichtbar, hörbar.

    Hoher Blutdruck (zuvor schon selber gemessen), linke Gesichtshälfte gelähmt, schlechte Aussprache etwas wenig Kraft im Linken Arm. Ansonsten war sie gut zurecht.

    Sie wurde in die Klinik gebracht. Nachdem ich etwas Sachen gepackt habe bin ich mit meinem Bruder hinterher, wir sind also etwa 20 min. verzögert eingetroffen und haben uns in der ZNA gemeldet. Uns wurde mitgeteilt das gerade ein CT gemacht wird und wir bald dazugerufen werden. Wir haben geduldig gewartet und nach etwa 1 Stunde kam eine Pflegerin mit unserer Mutter im Rollstuhl raus ohne das wird dazu geholt wurden. So ging es dann auf die normale Station, unsere Mutter hat erzählt es war ein Schlaganfall aber erstmal ist alles in Ordnung, hätte sie zuhause Mitbewohner oder Lebenspartner, hätte sie sofort entlassen werden sollen, aber weil das nicht der Fall ist sollte sie zur Überwachung erstmal da bleiben.

    Ich blieb mit meinem Bruder noch etwa zwei Stunden dort um sie etwas aufzumuntern und die Zeit bis ihre Schwester kommt zu verkürzen. Wir haben uns dann gegen 15 Uhr verabschiedet weil wir gemerkt haben das sie etwas müde wurde und abwesend wirkte. Wir schoben das auf das zurückliegende Ereignis und waren sicher das ihr etwas Ruhe und Schlaf gut tun würde. Wir haben ihr noch gesagt das sie Bescheid geben soll wenn sie sich unwohl fühlt oder sich was verändert und haben uns auch im Pflegerzimmer verabschiedet. Während wird diese gut 3 Stunden in der Klinik waren fand keinerlei Aufklärung und Kontrolle mehr statt und was in der ZNA genau besprochen wurde wissen wir leider auch nicht genau.

    Ich Nachhinein machen wir uns wahnsinnige Vorwürfe das wir nicht eingefordert haben mit einem Arzt zu sprechen, weder in der ZNA noch auf der Station.

    Weiter geht es nun am Abend. Als ihre Schwester um kurz nach 18 Uhr in der Klinik war ist meine Mutter kaum noch ansprechbar gewesen und an aufstehen war nicht zu denken.

    Sie ist natürlich sofort ins Pflegerzimmer und hat Bescheid gesagt das sich ihr Zustand massiv verschlechtert hat. Die Pfleger und Ärzte wurden sofort aktiv, es wurde ein weiteres CT gemacht und eine Untersuchung der Gefäße mit Kontrastmittel. Es wurde festgestellt das die Halsschlagader der rechten Seite dicht war und sie einen weiteren Schlaganfall hat.

    Kurz nach der Diagnose hat der Arzt angerufen und mich darüber aufgeklärt wie der aktuelle Stand ist, er hat sich auch entschuldigt und gesagt, leider wurde ihm zu spät Bescheid gegeben, was uns natürlich hellhörig werden lies.

    Es wurde sofort eine Trombolyse (Blutverdünnung oder Gerinnungshemmung, ich weiß es nicht genau) durchgeführt außerdem wurde Sie in eine Klinik verlegt die Zeit hatte eine Trombektomie durchzuführen, also das Gerinnsel mechanisch zu entfernen, die Klinik ist etwa 45 Minuten entfernt so dass nochmal viel Zeit verloren wurde.

    Ca. um 23 Uhr wurde ich informiert das sie langsam aufwacht und am nächsten Tag habe ich meine neue Mama besucht. Nach zwei Tagen wurde sie zurückverlegt in die erste Klinik und ich habe bereits mit der leitenden Oberärztin Gespräche geführt. Sie hat mir gesagt das der Schlaganfall seitens der Klinik vmtl. vermeidbar gewesen wäre, habe den Fall aber noch nicht komplett aufarbeiten können.

    Zwei wichtige Punkte hat sie aber genannt welche den Verlauf abgemildert oder gar nicht hätten entstehen lassen.

    In der ZNA hat man die Gefäße nicht untersucht aufgrund dessen das meine Mutter gesagt hat, sie hätte bereits seit 3 Tagen Sprachprobleme.

    Und im Zimmer wurde wohl eine Verschlechterung des Zustandes festgestellt worden, der diensthabende Arzt wurde aber nicht darüber informiert

    Sie kann langsam und wackelig mit Rollator gehen, versteht alles, kann sich langsam und verwaschen artikulieren, ist Reaktionsverzögert, das Sichtfeld ist eingeschränkt, linksseitig fehlt die Kraft, linksseitig ist das Gesicht gelähmt. Aber jetzt nach genau einer Woche kann ich mir noch nicht vorstellen, dass sie wieder ein aktives und selbstständiges Leben führen können wird. Ich bin aber dankbar für das was sie kann und es geht ihr jeden Tag eine ganz kleines bisschen besser.

    Ich habe auch Bilder von ihrem Gehirn gesehen nach dem ersten Schlaganfall war etwa ein Gebiet betroffen in Größe eine Daumens

    Nach dem zweiten Schlaganfall ist Gewebe abgestorben, was ungefähr die Größe einer Faust hat.

    Mir stellen sich einige Fragen und vielleicht habt ihr andere Erfahrungen oder sogar gleiche gemacht.

    Warum wurden wir in der ZNA nicht angehört,

    Warum wurde in der ZNA nicht mit Kontrastmittel untersucht, also die Gefäße, nur weil sie gesagt hat das sie seit 3 Tagen Sprachstörungen hat? Das kann doch wirklich nicht das einzige Argument sein

    Wie läuft die Übergabe mit dem RTW ab, da muss doch die Info kommen das es frische Symptome von morgens früh sind, denn das wusste das RTW Personal von uns.

    Was ist ausschlaggebend für die Untersuchung der Gefäße

    Warum ging es nicht direkt auf die Stroke Unit?

    So das alles zu schreiben hat schonmal gut getan, ich bin gespannt auf eure Meinungen und hoffe das alles gut verständlich ist.

    Vielen Dank fürs zuhören und angenehmes Wochenende an alle

  • Hallo,

    erst einmal tut es mir sehr leid zu lesen, was alles schief gelaufen ist bei euch. Ich hoffe, deiner Mutter geht es mit der Zeit noch besser. Immerhin kann sie noch gehen!! Das kann meine Mutter nicht mehr, auch trotz Stroke Unit, CT, MRT, blablabla...


    Zweitens: wir haben ähnliches erlebt. Meine Mutter war auf einer Stroke Unit und trotzdem wurde hier nachts nicht nach den Patienten gesehen, so dass meine Mutter mit einem Wake-Up-Stroke aufwachte, nachdem sie völlig funktionsfähig und 100 % normal eingeschlafen war.

    (Wenn wir in den USA leben würden, könnten unsere beiden Familien die Kliniken wohl um Millionen Euros verklagen. Hier in Deutschland.... vergiss es.....!)

    Ich kann deine Fragen, die Selbstvorwürfe, Wut und Zorn auf die Klinik und Ärzte nachvollziehen, denn ich habe ähnliches erlebt. Ich würde allerdings versuchen, mich auf das zu konzentrieren was noch geht bei deiner Mutter, und sich nicht allzusehr dem Was-Wäre-Wenn-Gedanken hinzugeben, denn das bringt nichts und macht dich nur traurig.

    Meine Was-Wäre-Wenn-Frage lautet:

    Wenn man recherchiert, findet man die Info, dass ca. 20 - 25 % aller Schlaganfälle im Schlaf geschehen - warum überwacht man dann auf einer Stroke Unit Akut-Patienten nicht engmaschig über Nacht, um so etwas vorzubeugen? Meine Mutter hätte genauso gut die Nacht zuhause verbringen können, anstatt auf der Stroke Unit, denn außer blöd und entsetzt gekuckt, nachdem sie mit ihren massiven Ausfällen aufgewacht ist, haben sie nichts dazu beigetragen, den Schlaganfall über Nacht zu verhindern bzw. rechtzeitig zu bemerken!!! So lag sie vermutlich 7,8,9 ... Stunden schlafend unbehandelt da, während sich ihre Nervenzellen langsam verabschiedet haben...

    Sie ist seither ein Pflegefall, Pflegegrad 4, ist im Rollstuhl im Pflegeheim, todunglücklich und möchte (meistens) nur sterben....

  • Hey es tut mir Leid für das was ihr schreibt, ich kenne das auch von mir. Ärztliche Untersuchung was ich erlebt habe, ist ein Scheiße!

    Ich habe selbst seit einigen Jahren Symptome wie Bewusstseinstrübung, Sprachstörungen und anderes die so wellenartig kommen. Und die Ärzte tun kaum was. Ich war deswegen Stationär aufgenommen und die haben mir eine Punktion gemacht, die CT und haben sich strikt geweigert ein MRT mit Kontrastmittel zu machen. Haben mich sogar nächsten Tag entlassen was dazu geführt hat, dass ich ein Tag später wieder in die Notaufnahme müsste. Ich lebe auch alleine.

    Ich bin selbst alternativ Medizinerin und kenne meinen Körper gut und die Signale die er mir schickt kann ich meistens sehr gut verstehen. Was ich aber nicht machen kann ist mich in die Röhre zu schieben, oder Medikamenten zu spritzen die Rezeptpflichtig sind, oder? :)

    Ich habe (wenn ich wie Eingefroren war) gemerkt, dass starke Gefühle wie Schreck, Freude, Berührung wichtig sind alles wieder in Gang zu bringen, sie (re)aktivieren die Zentren im Gehirn die sonst Probleme haben oder einen Anfall erlitten haben und am Schlafen sind.

    Ich habe auch versucht mich von negativen Stress manchmal, (Sprachstörungen werden auch von Stress gefördert) raus zu nehmen. Der positiver Stress hingegen wirkt auf mich sehr positiv.

    Es hilft auch, sich in Ruhe-Modus manchmal den Tag zu führen, keine großen körperlichen Anstrengungen, wenn der Körper dir sagt, dass das nicht gut tut. Anpassbar zu werden.

    Liebevolle Umgebung hilft da auch sehr, Menschen die mit einen gut meinen aber nicht nur, weiche und warmherzige Menschen braucht es. Im Krankenhaus sollen diese auch lernen für ihren Lieben oder die für sich selbst (wenn es einem gut geht) zu stehen und auch Nein zu sagen oder auf die Station auf den Ton hinzuweisen.

    Ich weiss, dass das in mir noch da ist, eine Verengung der Gefäße irgendwo, oder eine unzureichende Versorgung mit Blut irgendwo ..

    Und ich hoffe andere Ärzte zu finden die auch jetzt die Sache gut versorgen können und das ich von der Selbsttun.. Selbsthilfe ein bisschen raus kann.

    Und wenn jemand Fragen hat, wenn es mir gut geht und ich im heileriscben die Antwort weiss, schreib ich auch zurück.

    LG

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